URBNANCE

Urbane Mensch-Natur Resonanz für eine Nachhaltigkeitstransformation

URBNANCE Blog

Erfahrungsbericht: Fokusgruppen-Workshop zur Förderung einer nachhaltigen Ernährung

Einleitung

Zahlreiche Nachhaltigkeitskrisen, wie der Klimawandel oder das Artensterben, stellen die Menschheit vor komplexe Herausforderungen. Um diese Krisen zu bewältigen, werden Regeln und Vorschriften aufgestellt und Technologien für einen nachhaltigen Wandel entwickelt. Doch um den Problemen, mit denen wir uns zum Schutz unserer Existenz befassen müssen, hinreichend begegnen zu können, braucht es darüber hinaus einen Wertewandel der Gesellschaft. Einen Wandel, der wieder echten Kontakt zwischen Menschen und ihrer Umwelt schafft und so zu mehr Resonanz sowie zu einer nachhaltigen Mensch-Natur-Beziehung führt.

Doch wie können wir einen nachhaltigen Wertewandel anstoßen und voranbringen? Eine bedeutende Rolle spielt dabei die Ernährung. Unsere derzeitigen Ernährungsgewohnheiten tragen zur Verschmutzung und Zerstörung von Lebensräumen sowie zum Ausstoß von Treibhausgasen bei, was wiederum maßgeblich zu den verschiedenen Nachhaltigkeitskrisen führt. Dementsprechend kann eine nachhaltige und bewusste Ernährung zur Lösung der Krisen beitragen und die planetare sowie menschliche Gesundheit verbessern. Insbesondere Konzepte wie die Essbare Stadt können eine nachhaltige Mensch-Natur Beziehung fördern - denn durch das in Kontakt treten mit der Natur beim gemeinsamen Anbauen und Ernten von Nahrung steigt die Wertschätzung und Verbundenheit mit der Natur.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir, Studierende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, im Rahmen des Fachwissenschaftlichen Wahlpflichtmoduls Nachhaltige Mensch-Natur Beziehungen unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Artmann, wie Fokusgruppen-Workshops zur Förderung einer nachhaltigen Ernährung am Beispiel der Essbaren Stadt Freising ausgestaltet werden können. Durch die Weiterentwicklung bzw. Anpassung des Workshopformats von Mabel Ramisch und die Erprobung in einem Testdurchlauf mit unseren Kommiliton:innen wollten wir unter anderem der Antwort auf die Frage, wie die Essbare Stadt Freising gefördert werden kann, näherkommen.

Unseren Erfahrungsbericht starten wir mit einer Erläuterung der Methode Fokusgruppen-Workshop und erklären, warum diese Methode sich so gut zur Bearbeitung unserer Fragestellung eignet. Dann gehen wir kurz auf das Konzept der Essbaren Stadt ein und erläutern, wie wir Nachhaltigkeit für uns persönlich definieren. Aus unserer bereits genannten Leitfrage entwickeln wir eine Fragestellung und formulieren die daraus resultierenden Ziele. Damit ist dann das Fundament unseres Workshops gesetzt, sodass wir uns der Methodik und der Durchführung unseres Fokusgruppen-Workshops zuwenden können. Zu guter Letzt reflektieren wir den Probedurchlauf und teilen unser persönliches Fazit.

Grundlagen und Vorbilder

Um über Initiativen, wie die Essbare Stadt, ins Gespräch zu kommen, Interesse und Beteiligungsbereitschaft zu steigern sowie neue Perspektiven zu gewinnen, eignet sich das Format des Fokusgruppenworkshops besonders gut.

Im geschützten Raum, der im Rahmen des Moduls als weitestgehend homogenen angenommen Akteursgruppe, können die Teilnehmenden ihre Perspektiven einbringen, voneinander lernen und gemeinsam über ein Thema nachdenken. Fokusgruppen sind dialogorientiert und arbeiten oft mit kreativen Methoden. Dazu gehören kurze Schreibaufgaben oder gestalterisch vorbereitete Gesprächssituationen. Diese unterstützen Denk- und Erinnerungsprozesse und helfen, neue Verknüpfungen herzustellen und verschiedene Ansichten zu besprechen. Das ist für unser Projekt von besonderer Bedeutung, da es dabei um persönliche Hintergründe, Alltagsgewohnheiten und individuelle Sichtweisen im Zusammenhang mit nachhaltiger Ernährung geht. Durch den Austausch können konkrete Ideen für die bessere Bekanntmachung essbarer Räume entstehen. Gleichzeitig wird deutlich, welche sozialen, kulturellen oder emotionalen Faktoren eine Rolle spielen. Unser Fokusgruppen-Workshop soll dazu anregen, sich mit den Themen Essbare Stadt und nachhaltige Ernährung im Alltag auseinanderzusetzen und bestenfalls selbst aktiv zu werden.

Da eine regionale Lebensmittelerzeugung frei von globalen Verwerfungen ist, kann sie unserer Auffassung nach als nachhaltig angesehen werden. Nachhaltigkeit spielt auch eine immer größere Rolle in der Stadtplanung und das Konzept der Essbaren Stadt bietet dabei eine gute Möglichkeit, Resonanzerfahrungen und lokale Ernährung zu fördern.

Die Essbare Stadt Bewegung begann in der englischen Stadt Todmorden. Dort pflanzten Bewohnerinnen und Bewohner unter dem Motto „Incredible Edible“ essbare Pflanzen auf Schulhöfen, an Straßenrändern und auf freien Flächen. Die Ernte ist für alle zugänglich. Das stärkt, wie sich zeigte, nicht nur die lokale Versorgung, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl und das Bewusstsein für nachhaltige Ernährung.

Essbare Stadt Andernach (Foto: Simon Schneider)

Die erste deutsche Essbare Stadt ist Andernach. Dort wurden öffentliche Grünflächen von städtischen Mitarbeiter:innen und vielen Freiwilligen zu ansehnlichen Obst-, Gemüse- und Kräutergärten umgestaltet. Eine Permakulturanlage ergänzt das Angebot. Das tragende Motto lautet: „pflücken erlaubt“. Ziel ist es, ökologische Vielfalt, soziale Teilhabe und regionale Versorgung miteinander zu verbinden (Kosack, 2016).

Essbare Städte bringen Menschen zusammen, fördern regionale und saisonale Ernährung, schaffen eine Verbindung zur Natur und machen Lebensmittelproduktion im Alltag erlebbar. Gleichzeitig regen sie dazu an, Verantwortung für das eigene Umfeld zu übernehmen.

Fragestellung und Zielsetzung unserer Intervention

Auch in unserer Hochschulstadt Freising gibt es bereits Ansätze zur Stärkung einer regionalen und nachhaltigen Lebensmittelversorgung. Ein Beispiel hierfür ist das Konzept Essbare Stadt Freising, ein inklusives „sozial, grün & gesundes“ Kooperationsprojekt des Katholischen Kreisbildungswerks, des Gemeinschaftsgartenvereins Knollen & Co und der OBA-Gärtnergruppe der Lebenshilfe. Im Zuge dessen sollen in bunten Hochbeeten nahe des Fürstendamms für alle zur Ernte freigegebenes Gemüse und Kräuter herangezogen werden. Parallel dazu will die Internetplattform mundraub.org deutschlandweit, „Menschen mit Obstbäumen verbinden“. Die nach eigenen Angaben „größte deutschsprachige Plattform für die Entdeckung und Nutzung essbarer Landschaften“ möchte unter anderem der Stadtbevölkerung nachhaltige, regionale und saisonale Ernährungsweisen näherbringen und ein kulinarisch- sinnliches Erleben der eigenen Stadt ermöglichen.

Leider scheint vor allem das inklusive Kooperationsprojekt Essbare Stadt Freising unter Studierenden der grünen Hochschule Weihenstephan-Triesdorf nur wenig bekannt zu sein. Das ist kaum verwunderlich, da selbst eine gezielte Internetrecherche nur wenige und zudem nicht hinreichend informative Treffer erzielt. Zudem werden die Hochbeete aktuell offensichtlich kaum bewirtschaftet und es gibt keine Informationstafeln, welche darauf hinweisen, dass hier theoretisch geerntet werden dürfte. Mundraub hingegen ist im Web ausreichend präsent. Allerdings fehlen hier Impulse vor Ort, die auf das hilfreiche Angebot hinweisen und zum Mitmachen motivieren könnten. Beide Angebote brächten demnach eine bessere Bewusstseinsbildung und mehr Aktivitäten und Impulse seitens der Stadt und von lokalen Initiativen.

Hochbeete nahe des Fürstendamms in Freising (Foto: Anna Lorenz)

Daher wurde aus der für unser Team vorgegebene Leitfrage: » Wie können Fokusgruppen-Workshops zur Förderung einer nachhaltigen Ernährung am Beispiel „Essbare Stadt Freising“ ausgestaltet werden? « während der ersten gemeinsamen Arbeitstermine folgende übergeordneten Fragestellung entwickelt: » Wie kann das Essbare Stadt Konzept in Freising und in Verbindung damit nachhaltige und regionale Ernährung gefördert werden? « Um diese Frage beantworten zu können, wollten wir zunächst herausfinden, ob sich die Einschätzung, dass die oben genannten Initiativen unter unseren Kommiliton:innen noch weitestgehend unbekannt sind, bestätigt. Außerdem soll abgefragt werden, wie stark das Interesse gegenüber nachhaltiger und regionaler Ernährung ausgeprägt ist und welche intrinsischen Faktoren hierfür ausschlaggebend sind. Daran anknüpfend sollte mit der Fokusgruppe diskutiert werden, wie das bereits bestehende Angebot den Studierenden besser bewusst und auch nutzbarer gemacht werden kann. Bestenfalls soll ein Selbstverständnis entstehen, wie es bei vielen Menschen etwa für das Pilze- oder Bärlauch-Sammeln bereits vorhanden ist.

Durchführung unseres Fokusgruppen-Workshops

Für unseren Workshop haben wir die uns zur Verfügung gestellte Anleitung von Mabel Ramisch an die von uns erarbeitete Forschungsfrage angepasst. Unsere Fokusgruppe wurde durch fünf weitere Studierende gebildet, die das Modul Nachhaltige Mensch-Natur Beziehungen belegt haben. Außerdem beteiligte sich die verantwortliche Dozentin Prof. Dr. Martina Artmann auch als Teilnehmerin an dem am 26. Mai 2025 in Räumlichkeiten der Grünen Hochschule stattfindenden Probedurchlauf. Damit bewegt sich die Teilnehmerzahl innerhalb der empfohlenen Gruppengröße von fünf bis 12 Personen. Durch die Modulteilnahme, bei der angenommen wird, dass ein Interesse an nachhaltiger Ernährung besteht, können die Teilnehmenden als verbunden mit unserem Hauptinteresse angesehen werden.

Zwei Personen aus der Durchführungsgruppe übernahmen die Moderation. Protokolliert und im Workshopablauf unterstützt wurde durch die weiteren drei Teammitglieder. Die Moderierenden sollten darauf achten, das Gruppengespräch entsprechend des Frageprotokolls zu lenken und dafür Sorge zu tragen, dass allen Teilnehmenden ein ähnlicher Redeanteil zugestanden wird. Die Dokumentation des Workshops erfolgte teilweise durch Audioaufnahme, größtenteils aber durch Mitschriften und Fotodokumentation der Ergebnisse.

Für die Durchführung des Workshops wurden folgende Materialien zur Verfügung gestellt oder beschafft:

  • Moderationskoffer (Stifte, farbige Memos, etc.)
  • Pinnwand
  • Geplottete Karte (ohne Spots) und digitale Karte mit eingezeichneten Spots der Essbaren Stadt Freising
  • Pinnnadeln
  • Flyer mit Gesprächsregeln
  • Fragebögen zur methodischen Evaluierung
  • Postkarten
  • Ausgedrucktes Fragebogenprotokoll und Übersicht der Stimuli
  • In der Essbaren Stadt Freising erhältliche Früchte/Kräuter/Nüsse

Das Fragebogenprotokoll, als entscheidender Bestandteil der Planung von Fokusgruppen, wurde an den Ausführungen von Mabel Ramisch orientiert und an unser Untersuchungsziel sowie an die uns für die Durchführung zur Verfügung stehende Zeit angepasst. Im Hinterkopf hatten wir bei der Entwicklung stets unsere übergeordnete Fragestellung. Die Stimuli wurden teils übernommen, teils wurden diese leicht abgewandelt oder durch neue ersetzt. Nach der Begrüßung und Einführung starteten wir mit einer Einführungsfrage zusammen mit einer Eisbrecherübung in den Workshop. Danach folgten spezifische offene Fragen zur inneren und äußeren Dimension der Mensch-Lebensmittel Beziehungen, zusammen mit unterstützenden Stimuli. Der Abschluss der Begegnung in der Fokusgruppe sollte Raum für Reflexion bieten.

Angepasstes Fragebogenprotokoll nach Mabel Ramisch (2022) mit Zeitrahmen und Anweisungen für das Durchführungsteam

Zeit inMinuten

Workshop-phase

Fragen

HinweiseDurchführungsteam

5

Einstieg

/

Begrüßung und Einführung durch eine kurze Präsentation

20

Einleitung

Wir starten mit einer kurzen Vorstellungsrunde. Dabei interessieren uns eure Namen und wie nachhaltig und gesund ihr eure momentane Ernährung einschätzt.

Erste einleitende Fragen zusammen mit Stimulus 1

30

Innere

Dimension

Was sind eure Gründe und Motivationen für die Art eurer Ernährung?

Was berührt euch besonders, wenn ihr über die Entfremdung der Menschen von regionalen und gesunden Lebensmitteln, bzw. über die Entfremdung von nachhaltiger Lebensmittelerzeugung nachdenkt? Also was macht euch im negativen oder auch positiven Sinne betroffen, bewegt, ergriffen, was rührt euch, was erschüttert euch?

Einbringen von Stimulus 2

10

Pause

/

Anbringen der ergänzenden Pins

30

Äußere

Dimension

Wie bewertet ihr das aktuelle Angebot der Essbaren Stadt Freising mit Blick auf die von uns ergänzte Karte?

Was hält euch davon ab, das Angebot der Essbaren Stadt zu nutzen, was wirkt als Barriere, was behindert euch dabei? Das können Personen sein, Alltagssituationen, städtische Strukturen, Prägungen, Kultur und Überzeugungen.

Inwiefern hat das Angebot der Essbaren Stadt Potenzial, euch in eurer aktuellen Ernährungsweise zu unterstützen? Was sollte noch nachgebessert werden?

Einbringen von Stimulus 3

5

Pause

/

Geclustertes Anbringen der Memos zur internen und externen Dimension auf der Rückseite der Pinnwand; Vorbereitung Stimuli 4

15

Abschluss

Abschließend bitten wir euch noch einmal kurz zu reflektieren, was für euch persönlich die wichtigsten Aspekte der Essbaren Stadt sind. Was nehmt ihr für eure eigene Ernährung mit?

Abschließende Frage und Durchführung von Stimulus 4; Dank an die Teilnehmenden und Verabschiedung

Angepasste Übersicht der Stimuli nach Mabel Ramisch (2022)

Stimulus

Hinweise/Anleitungen

1

Eisbrecher – Kreis der Objekte

Die Teilnehmenden werden gebeten, etwas „Pflückbares“ aus der Essbaren Stadt Freising, das auf einem Tisch ausgelegt wurde, auszuwählen. Anschließend sollen sie kurz beschreiben, warum sie ihre Wahl so getroffen haben und was sie damit verbindet. Die ausgesuchten Lebensmittel dürfen im Anschluss an den Workshop mitgenommen werden.

2

Wissensabfrage und Überleitung zur Äußeren Dimension – Pin It

Die Teilnehmer sollen Pinnadeln an ihnen bekannten Spots der Essbaren Stadt anbringen. In der Pause werden diese dann durch das Durchführungsteam mit Pins einer anderen Farbe ergänzt, um das tatsächliche Angebot zu visualisieren.

3

Schreibaufgabe

Die Teilnehmenden sollen auf roten oder orangen Papieren/ Memos in Stichworten notieren, was sie davon abhält, das Angebot der Essbaren Stadt zu nutzen.

Danach soll ebenso mit einer Vision davon, was nachgebessert werden müsste, damit die Essbare Stadt sie besser in einer nachhaltigen Ernährungsweise unterstützen könnte, verfahren werden. Hierfür sollten blaue oder grüne Memos zur besseren Abgrenzung für die Dokumentation verwendet werden.

4

Inhaltliche Evaluierung auf Postkarten + Blitzlicht zur Reflexion

Aus den vom Durchführungsteam ausgelegten Postkarten dürfen sich die Teilnehmenden eine aussuchen. Dabei soll jede Karte nur einmal vorhanden sein und die zur Verfügung stehende Anzahl der Teilnehmenden übersteigen. Dadurch soll eine möglichst freie Auswahl gewährleistet werden. Die Teilnehmenden sollen dann aufschreiben, was sie als die wichtigsten Aspekte der Essbaren Stadt betrachten und was sie aus dem Workshop für ihre Ernährung mitnehmen.

Zum Abschluss folgt ein kurzes Blitzlicht, in dem die Teilnehmenden ihre Reflexion der Workshoperfahrung in wenigen Sätzen teilen können. Äußerungen werden dabei weder kommentiert noch bewertet!

Die Postkarten können im Anschluss durch die Teilnehmenden mitgenommen werden, da die Dokumentation anhand der Audioaufzeichnung des Blitzlichtes erfolgen kann.

Ergebnisse aus dem Probelauf/ der Protokollierung

Unser Bericht enthält die wichtigsten Erkenntnisse unseres Fokusgruppen-Workshops und unternimmt den Versuch, die Forschungsfrage verbal argumentativ zu beantworten. Um die relevanten Daten zu erheben, haben wir mehrere Methoden angewendet.

Auswertung Stimuli/ inhaltliche Auswertung

Stimulus 1/ Vorstellungsrunde mit Lebensmitteln

Stimulus 1 (Foto: Luzia Maier)

Der Einstieg förderte eine lockere Stimmung, die durch gemeinsames Lachen und ein gutes Miteinander geprägt war. Es entstand eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sich die Teilnehmenden gegenseitig aufmerksam zuhören. Besonders deutlich wurde, dass vielen die nachhaltige Ernährung und eine bewusste Lebensmittelwahl wichtig sind – insbesondere im Hinblick auf eine biologische Erzeugung und einen Verzicht oder zumindest eine Einschränkung von tierischen Lebensmitteln.

Als Motivation für die Auswahl der Lebensmittel stellte sich vorwiegend der persönliche Geschmack heraus. Allerdings wurde die Wahl auch aufgrund von schönen Kindheits- und Urlaubserinnerungen, ansprechender Optik und dem starken Bezug zur aktuellen Jahreszeit, dem Frühling, getroffen. Der individuelle, persönliche Bezug war deutlich erkennbar.

Stimulus 2 (Foto: Luzia Maier)

Stimulus 2/ Innere Dimension

Ziel des zweiten Stimulus war es, innere Beweggründe, Werte und Gefühle in Bezug auf die (eigene) Ernährung herauszuarbeiten.

Die Gruppe zeigte eine sehr rege Beteiligung. Es entwickelte sich ein respektvoller und aufmerksamer Austausch, der von echtem Interesse und Offenheit getragen wurde.

In dieser Phase wurden sehr persönliche und emotionale Themen angesprochen. Einige Teilnehmende berichteten von Unverträglichkeiten oder Allergien, andere thematisierten Frustessen, Konsumverhalten und emotionale Aspekte im Zusammenhang mit Lebensmitteln. Es kam zu einem intensiven Austausch von Gefühlen und Sichtweisen.

Stimulus 3/ Äußere Dimension

Die zweite große Fragestellung befasste sich mit der Essbaren Stadt Freising. Die vielfältigen Möglichkeiten wurden auf der Karte der Stadt Freising gut sichtbar. Wir haben die Teilnehmenden gefragt, was sie daran hemmt, das Angebot in Freising zu nutzen und welche Potenziale sie in dem Konzept sehen. Die Hemmnisse reflektierten vertieft das eigene Verhältnis zu Lebensmitteln und die Bereitschaft zu Veränderung. Insbesondere trat die eigene Unwissenheit/ Unsicherheit (z.B. „Darf man das? Kann man das essen?“) hervor. Die Frage nach dem Potenzial brachte mengenmäßig deutlich mehr Antworten ein, was auf einen lösungsorientierten, kreativen Ansatz der Teilnehmenden hindeutet.

Die Vielfalt an Themen der inneren und äußeren Dimension (eigene Darstellung)

Stimulus 4 / Postkarten:

Die bunten Postkarten boten den Teilnehmenden die Möglichkeit zur privaten Reflexion. Dies wurde von allen konzentriert durchgeführt und mitgenommen.

Abschlussfrage:

Was ist die Essenz? Was nehmt ihr mit?

  • Es gibt die Mundraub App als wichtiges Tool
  • Anregung, um selbst zu pflücken
  • Verstärkung des Nachhaltigkeitsgedanken, auch aus monetärer Sicht
  • Interesse an der Essbaren Stadt am Beispiel Freising
  • Spannende Idee das Thema in weiteren Projekten, Lehre und Forschung zu verfolgen
  • Überraschung über Angebot und Dank für Input
  • Anstoß, um selbst in Aktion zu treten (Ernten, Backen, etc.)
  • Aufklärung wichtig, aber noch zu wenig
  • Ernährung sehr politisches Thema, kann auch stark polarisieren
  • Gute Umsetzung Essbarer Stadt Konzepte werden als wirkungsvoll eingeschätzt
  • Wichtiges Thema auf zukünftigem Berufs- und Bildungsweg
  • „Utopie“ zur Realität machen
  • Impuls, um die Tür einen Spalt zu öffnen!

Weitere wichtige Punkte und Learnings für die Teilnehmenden waren:

Wie wichtig Aufklärung bei diesem Thema ist. Einige haben noch nie von Mundraub gehört und wollen diese Anwendung testen und so über ihren eigenen Schatten springen. Allerdings zeigten sich manche der Teilnehmenden persönlich noch nicht bereit, Wildobstsammeln zu einem festen Bestandteil ihrer Lebensmittelversorgung zu machen. Das Potenzial von Essbaren Stadt Konzepten wurde jedoch erkannt und ein Teil unserer Kommilitonen will das Thema auch mit ins Berufsleben nehmen.

Auswertung der Fragebögen/ methodische Auswertung

Während sich im vorherigen Kapitel mit der Evaluierung der inhaltlichen Aspekte des Workshops auseinandergesetzt wurde, wird im folgenden Kapitel die methodische Auswertung durchgeführt.

Zur Erfassung dieser wurde ein Fragebogen erstellt, der die verschiedenen strukturellen Aspekte des Workshops abfragt und anschließend mit den Antworten gut (1 Punkt), akzeptabel/ teilweise mangelhaft (3 Punkte) und mangelhaft (6 Punkte) benotet. Davon ausgehend ist die bestmögliche Note eine 1,0 und die schlechteste eine 6,0. Die Durchschnittsnote entspricht dabei nicht dem tatsächlichen Notendurchschnitt, sondern bezieht sich auf die am Ende des Fragebogens angegebenen Noten des Workshops. Dies hat den Hintergrund, dass möglicherweise Einflussfaktoren auf die Qualität der Intervention nicht im Fragebogen abgefragt wurden.

Die insgesamt sechs Teilnehmenden waren zwischen 19 und 42 Jahren alt. Vertretene Studien-Schwerpunkte waren: Landschaftsplanung, Stadtplanung, Klimaschutz und -anpassung und Arboristik sowie Urbanes Waldmanagement.

Im Fragebogen schnitten die Themen Ziele, Methoden sowie Interaktion und Beteiligung am schlechtesten ab. Dabei war die häufigste Kritik die mangelnde Abwechslung und Anzahl an Stimuli. Dies zeigte sich auch gegen Ende des Workshops, als ein Nachlassen der Konzentration und Müdigkeit einsetzten. Außerdem wurden die Ziele und Absichten des Workshops zu Beginn und auch während der Intervention zu wenig herausgearbeitet. Eine bessere Darstellung dieser wäre wünschenswert gewesen. Beim Aspekt der Interaktion und Beteiligung der Teilnehmenden war auffällig, dass ein paar der Teilnehmerinnen weniger zu Wort kamen und generell zurückhaltender wirkten, obwohl doppelt so viele Frauen (4) wie Männer (2) teilnahmen. Zeitliche Planung und das Eingehen auf die Fragen der Teilnehmenden wurden sehr positiv bewertet.

Neben der Bewertung konnten die Teilnehmenden noch Anmerkungen zu Stärken und zu überarbeitenden Punkten des Workshops hinterlassen.

Stärken und Schwächen auf Grundlage der Anregungen der Teilnehmenden (eigene Darstellung)

Reflexion und Empfehlungen

Ausgehend von der Evaluierung wäre der nächste Schritt die Anpassung des Workshops, allerdings ist die Anpassung der verwendeten Stimuli sowie des Frageprotokolls aufgrund nur einer Fokusgruppenrunde nicht möglich. Üblicherweise werden derartige Änderungen einer Intervention erst nach einer Erprobung der Intervention im Rahmen von zwei bis fünf Fokusgruppen durchgeführt.

Allerdings lassen sich ausgehend von der Evaluierung bereits einige vorläufige Verbesserungsvorschläge ermitteln. Für künftige Workshops ergeben sich daher folgende Vorschläge:

  • Die Zielsetzung soll klarer dargestellt und bei der Durchführung wiederholt werden, allerdings sollte der Einstieg ins Thema unter Umständen gekürzt werden, um Zeit für die Stimuli und Diskussion zu gewinnen.
  • Der Ablauf sollte weniger stark durch die Moderation gesteuert und mehr Raum für freie Diskussionen gegeben werden.
  • Dabei ist auf ausgewogene Redeanteile aller Teilnehmenden zu achten, unter Umständen ist hier auch direktes Ansprechen von Teilnehmenden nötig.
  • Zusätzlich dazu wurden sich von den Teilnehmenden eine bessere Integration und Aufklärung über die rechtlichen Grundlagen gewünscht sowie das Vorstellen bereits vorhandener Projekte und Aktionen. Dies soll zusammen mit abwechslungsreicheren Methoden und Stimuli in der Intervention integriert werden.
  • Zudem sollte die im Gesprächsverlauf übersprungene Frage „Habt ihr Interesse und/oder die Möglichkeit, selbst Lebensmittel anzubauen?“ künftig gezielter eingebunden werden, zum Beispiel in Kombination mit einem Stimulus zur Planung von urban gardening am Campus.
  • Im Fragebogen selbst werden die Auswahlmöglichkeiten zum Feedback von drei auf vier Optionen erweitert, um eine klare Tendenz zu erhalten und so das Feedback besser einordnen zu können.

Persönliches Fazit

Quellen

Kosack, L. (2016). Die Essbare Stadt Andernach: Urbane Landwirtschaft im öffentlichen Raum. Standort, 40(2), 138–144. https://doi.org/10.1007/s00548-016-0430-4

Ramisch, M. (2022). Focus Group Design. Unveröffentlichtes Dokument. Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Dresden.

Städtebau, B. (2024, Mai 9). Essbare Stadt—Ein Konzept der nachhaltigen Stadtentwicklung. Büro für Städtebau GmbH Chemnitz. https://www.staedtebau-chemnitz.de/index.php/essbare-staedte/

Author:innen: Anna Lorenz, Luzia Maier, Maria Maierhofer, Simon Radlmair, Elias Reiter

Modulleitung: Prof. Dr. Martina Artmann

Dozentin: Mabel Ramisch

2025

Oktober

Wer plant mit? - Mensch-Natur-Stimmen im Rollenspiel

Erfahrungsbericht: Fokusgruppen-Workshop zur Förderung einer nachhaltigen Ernährung

Mai

Die Welt, wie sie Kindern als Resonanzwesen begegnet, und die Worte, die sie für ihre Entdeckungen wählen.

März

Wert_schätzung: Wie können wir die vielfältigen Werte der Natur in der Stadt besser erkennen und berücksichtigen?

2024

August

Intra-View Erkenntnisse: Eine reflektierende Reise zur Mensch-Lebensmittel-Resonanz in öffentlichen Kantinen

Februar

Mit Freude geben und nehmen – Impulse von Robin Wall Kimmerer über eine positive Partnerschaft mit der Natur

Januar

"Und wie sieht deine Welt aus?"
Gesellschaftliche Formierungen von Weltbildern und ihre Wandelbarkeit dank psychischer Flexibilität.
Plus: abschließende Tipps von Maude


2023

Dezember

Indigene Weltanschauungen als ernstzunehmende Utopie? – Über den Wandel von Weltbildern und das, was wir als Weltgemeinschaft von indigenen Weltanschauungen lernen können

Oktober

Natur auf Augenhöhe begegnen – ein explorativer Spaziergang durch die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran

Juni

Mit dem Herzen schauen – Über individuelle Mensch-Natur-Resonanz, ein gemeinsames Dilemma mit Antoine de Saint-Exupéry sowie eine nachhaltigkeitsbezogene Erklärung an die Leser*innen

Patagonien – ein Ort für resonante Beziehungen?

Mai

Demut vor der Unverfügbarkeit des Schlafes – Über Zyklen, Schlafrituale und Mutter Erde

Februar

Wo ist die Liebe?
Skizzen der Verwunderung, des Selbstmitgefühls und eines Mutmachers angesichts multipler Krisen


2022

November

Der Natur unsere Stimme leihen – im Rollenspiel auf der Suche nach Partnerschaften mit der Natur

Oktober

Von Krise zu Resonanz: ein Sommerkino

September

Ein Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit in Zeiten der Ohnmacht.
Sorge um die Natur in der Stadt.

Juli

Die Unverfügbarkeit einer eigenen Stimme. Was will Amos wirklich "sagen"?

Juni

Flötenspiel (1940) von Hermann Hesse: eine resonanzspezifische Analyse und Einbettung in den Nachhaltigkeitskontext

Mai

Erste Erkenntnisse zu urbanen Mensch-Lebensmittel-Beziehungen durch die Interaktion mit Stadtbewohner*innen in Dresden

In mir ‒ in uns

März

Responsive Beziehungen:
Das Wunder der Verletzlichkeit

Januar

Liebende Seelen – liebende Herzen


2021

Dezember

Christmas ‒ eating in the spirit of the feast of love?

Nurturing our relation with nature and ourselves in the dark season