Einleitung
Wie geht es eigentlich der Natur in unserem direkten Umfeld? Es mag zunächst etwas ungewöhnlich erscheinen, sich vorzustellen, wie ein Baum oder Vogel denkt und fühlt. Tatsächlich spielen Bedürfnisse von Pflanzen und Tieren im Alltag eine untergeordnete Rolle, z.B. beim Bau von Straßen. Diese Priorisierung menschlicher Bedürfnisse ist Ausdruck eines anthropozentrischen Weltbilds und hat dazu geführt, dass sich die Beziehung zwischen Mensch und Natur schon länger in einer tiefen Krise befindet. Die Abholzung der Regenwälder zeigt solch eine wachsende Krise zwischen Mensch und Natur.
Im Rahmen eines Seminars zum Thema „Nachhaltige Mensch-Natur-Beziehungen“, geleitet von Prof. Dr. Martina Artmann, haben wir – Studierende aus Landschaftsarchitektur, Aboristik und Klimaschutz und Anpassung – uns darüber Gedanken gemacht, wie es um die Mensch-Natur-Beziehung bestellt ist. Uns ist aufgefallen, dass mehr Wissen über Klimawandel, Artensterben und Verunreinigung der Meere zu generieren, nicht ausreicht, um das Verhältnis zwischen Mensch und Natur wieder in Einklang zu bringen. Es braucht vielmehr einen Paradigmenwechsel zu einem ökozentrischen Weltbild, das die Belange von menschlichen und mehr-als-menschlichen Individuen, z.B. Tieren und Pflanzen, gleichwertig betrachtet. Um diesem Ziel näher zu kommen, ist es unsere Aufgabe gewesen, ein Rollenspiel-Workshop für ein fiktives Bauprojekt am Weihenstephaner Berg zu konzipieren und einen Probelauf durchzuführen. Zum einen, um die Mensch-Natur-Beziehungen zu stärken, indem mehr-als-menschliche Perspektiven in Planungsprozesse einbezogen werden. Zum anderen, um den Teilnehmenden Komplexität von Planungsprozessen näher zu bringen und den Perspektivwechsel erfahrbar zu machen. Der Workshop richtete sich an eine andere Studierendengruppe und diente dazu, neue Formen der partizipativen und umweltbewussten Planung zu erproben. In der Konzeption und Durchführung des Workshops legten wir besonderen Wert auf eine kreative und gleichzeitig reflektierte Herangehensweise, die sowohl die inhaltlichen Zielsetzungen als auch die methodischen Anforderungen eines solchen Rollenspiels berücksichtigt.
Der folgende Bericht beinhaltet eine Zusammenfassung unseres Vorgehens bei der Vorbereitung und der Durchführung des Workshops. Die anschließende Evaluierung beschäftigt sich zunächst mit der Frage, wie erfolgreich der Workshop verlaufen ist. In einem weiteren Schritt soll bewertet werden, inwieweit das multiperspektivische Rollenspiel die Meinungsbildung und den Planungsprozess beeinflusst hat. Zu guter Letzt werden ausgehend vom Feedback der Teilnehmenden eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen diskutiert.
die Vorbereitung des Workshops
Um dem Anspruch gerecht zu werden, unterschiedliche Perspektiven auf Mensch-Natur-Beziehungen in einem Rollenspiel erfahrbar zu machen, war eine sorgfältige Konzeption und Durchführung des Workshops unerlässlich. Grundlage dafür bildete ein mehrstufiger Vorbereitungsprozess, der inhaltliche sowie organisatorische Aspekte umfasste.
Zu Beginn erfolgte eine umfassende Literaturrecherche. Als zentrale Quelle diente dabei der Leitfaden „Speaking as a River – A Guide for Implementing Multispecies Role-Playing Games“ von Philip Harms, der uns zur Verfügung gestellt wurde. Im Zuge der Analyse des Rollenspiel-Leitfadens kam uns die Idee, einen stadtplanerischen Ansatz für unseren Workshop zu wählen und die Teilnehmenden ein Studierenden-Wohnheim am Campus planen bzw. optimieren zu lassen. Es war uns wichtig, ein Bauvorhaben zu wählen, welches im Allgemeinen als notwendig und positiv angesehen wird, da es in Freising an bezahlbarem Wohnraum für Studierende mangelt. Um ein möglichst realistisches Szenario zu entwickeln, wurden Informationen über Tier- und Pflanzenarten und die sozial-ökologische Gegebenheiten im Planungsgebiet gesammelt. Daraufhin haben wir uns für das folgende Szenario entschieden:
Auf einer bislang unbebauten, naturnahen Fläche am Nordhang des Campusgeländes ist der Bau eines neuen Studierendenwohnheims politisch beschlossen worden. Die bauliche Maßnahme steht nicht mehr zur Debatte, jedoch ist die konkrete Gestaltung des Außenraums noch zu diskutieren.
An diesem Punkt setzt das Rollenspiel an. Um möglichst vielfältige Interessen abzubilden, wurden Charaktere ausgearbeitet, die ganz unterschiedliche ökologische, soziale und politische Dimensionen sichtbar machen. Die Charaktere repräsentieren sowohl mehr-als-menschliche als auch menschliche Perspektiven: Artenvielfalt (z. B. Gartenrotschwanz, c, Regenwurm), langlebige Vegetation (Obstbaum), extensive Nutzung (Schaf), soziale und städtische bzw. menschliche Anliegen (Studierende, Anwohnerin, Klimabeauftragter).

(Grafik: Lisa Lönner, Design erstellt mit Canva Free Content. Elemente © Canva.com)
Zu jeder dieser Rollen sind entsprechende Rollenkarten gestaltet worden, die wichtige Informationen, zentrale Bedürfnisse und mögliche Kompromissformeln enthalten, damit sich die Teilnehmenden leichter in die neue Rolle hineinversetzen können. Zwei sehr wichtige Phasen im Verlauf eines Rollenspiels sind der Rolleneinstieg und der Rollenausstieg. Auch hier haben wir darauf geachtet, dass diese Phasen möglichst reibungslos funktionieren und die Teilnehmenden sich darüber im Klaren sind, wann sie sich in ihrer jeweiligen Rolle befinden. Für die Durchführung des Workshops wurde ein Ablaufplan (s. Kap. Beschreibung des Workshops) entwickelt und die Aufgabenverteilung im Team klar geregelt: Drei Personen übernehmen die Moderation und zwei Personen fungieren als stille Beobachter:innen und Protokollant:innen.
Zur Unterstützung des Rollenspiels wurden zusätzliche Materialien entwickelt ( Lageplan passend zum Szenario, Icons zur Visualisierung von Maßnahmen) bzw. bereitgestellt (Zeichenblätter und Blankokarten für eigene Ideen, Tesafilm und Stifte).
Beschreibung des Workshops
Auf folgender Abbildung ist rechts der blanke Lageplan unseres Bauvorhabens und links mit den Icons der Teilnehmenden gefüllt zusehen.


(Foto: Raphael Handels, Plangrafik: Matthias Bochum)
Die Erprobung des Workshops fand am Morgen des 26.05.2025 aufgrund von Regen in einem Seminarraum am Campus der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising statt. Mitgemacht haben sechs Teilnehmer:innen: 5 Studierende und Prof. Dr. Artmann. Ursprünglich war vorgesehen, den Workshop teilweise draußen in unmittelbarer Nähe des Planungsgebiets durchzuführen. Die Raumgestaltung wurde für den Workshop angepasst, Tische beiseite geräumt und ein Stuhlkreis für den Beginn in der Raummitte aufgestellt. Für die Präsentation der Materialien standen Tafel und Pinnwand zur Verfügung. Im Folgenden ist der zeitliche Ablauf des Workshops in verschiedenen Phasen tabellarisch dargestellt. Es wurden für die Durchführung des Workshops ca. 120 min. veranschlagt.
MD: Moderator:innen; TN: Teilnehmer:innen
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Zeit |
Phase |
Geplante Aktionen |
Alternativen |
Materialien |
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5‘ |
Icebreaker Think & Share |
MD „Wenn du eine Landschaft wärst, was wärst du und warum?“ |
Postkarte |
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3‘ |
Einführung |
MD stellten sich vor. „Was euch heute erwarten wird...“ |
Je nach Vorwissen/Alter der TN wird ausführlicher ins Thema eingeführt. |
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8‘ |
Rolleneinstieg |
Jedem TN wird zufällig eine Rolle zugeteilt. MD „Mach dich mit deiner Rolle vertraut; wer bist du und was ist dir wichtig?“ |
Im Vorfeld wird die Anzahl der Rollenkarten an die Anzahl der Teilnehmenden angepasst. |
Rollenkarten |
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10‘ |
Vorstellung des Bauprojekts und erste Verortung von Icons |
MD stellen Bauvorhaben kurz vor. „Wähle bis zu drei Icons aus, die dir wichtig sind.“ „Pinne die Icons an geeigneten Standort. Stelle dich und deine Icons der Gruppe vor.“ |
TN können sich eigene Icons erstellen. |
A1-Plan des Planungsgebiets an der Tafel, Icons |
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12‘ |
Spaziergang |
MD geleiten die TN zum Planungsgebiet, weitere Informationen geboten und Fragen der TN geklärt. TN machen sich (z.B. als Eidechse) ein eigenes Bild vom Gebiet. |
Je nach Witterung vor Ort oder mit Hilfe von Präsentation (Beamer) drinnen. |
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10‘ |
Brainstorming |
TN setzen sich an Tisch um einen Lageplan, der keine Icons enthält. „Notiere mehrere Maßnahmen, die dir aus deiner Sicht besonders wichtig erscheinen.“ |
Draußen auch auf dem Boden möglich. |
A1-Plan, Blanko-Karten und Stifte |
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15‘ |
Diskussion |
„Stellt euch gegenseitig die Maßnahmen vor, achtet auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede.“ |
MD achten auf eine ausgeglichene Diskussion. Bei Bedarf wäre die Einführung von Gesprächsregeln sinnvoll. |
Karte mit Gesprächsregeln, A1-Plan |
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20‘ |
Ergebnis |
Neue Icons werden ausgelegt. „Bitte wähle 2 moderierende Wesen, die in Rücksprache mit allen TN entscheiden, welche Icons auf den Plan fixiert und wo diese platziert werden sollen. Ihr könnt auch wieder eigene Icons erstellen.“ |
MD achten wieder auf eine ausgeglichene Beteiligung. |
A1-Plan, Icons, Tesafilm |
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12‘ |
Rollenausstieg |
MD bedanken sich bei TN und beenden die Ergebnisfindung. Es werden Postkarten mit Motiven ausgelegt. Jeder TN wählt sich eine aus und macht sich auf den Rückweg mit der Frage: „Was nehme ich aus der Rolle mit – und was lasse ich zurück?“ Im Seminarraum notieren sich TN ihre Antworten. |
Je nach Witterung können TN einen kurzen Spaziergang machen. |
Postkarten |
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20‘ |
Inhaltliche und Methodische Reflexion |
Beide Pläne werden für TN sichtbar an einer Tafel angepinnt. MD bitten die TN den Workshop mit Hilfe eines Fragebogens zu evaluieren. MD kommen mit TN über das Vorher-Nachher-Ergebnis ins Gespräch. |
Je nach Zustimmung der TN kann die inhaltliche Reflexion mit einem Handy aufgenommen werden. |
A1-Pläne, Magnete/Klebeband, Fragebögen |
Evaluierung des Workshops
Um eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Optimierung zu ermöglichen, ist es wichtig, die durchgeführte Intervention im Anschluss zu evaluieren. Für unseren durchgeführten Workshop haben wir zwei unterschiedliche Evaluierungsmethoden angewandt: Eine methodische und eine inhaltliche.
Methodische Evaluierung
Durch die methodische Evaluierung soll die Forschungsfrage beantwortet werden, wie erfolgreich der Workshop bewertet werden kann. Dafür wurde ein standarisierter Fragebogen entwickelt, der sich auf die methodische Umsetzung des Workshops konzentriert. Die Teilnehmer:innen wurden zu folgenden Aspekten befragt:
Zu jedem Themenbereich wurden Aussagen formuliert, die mithilfe einer vierstufigen Skala bewertet werden konnten: trifft zu, trifft eher zu, trifft weniger zu, trifft nicht zu. Die Teilnehmenden wurden gebeten, jeweils die für sie zutreffendste Aussage anzukreuzen. Die Aussagen beschreiben dabei jeweils eine idealtypische, erstrebenswerte Situation. Eine hohe Zustimmung – also eine Bewertung mit trifft zu – lässt entsprechend darauf schließen, dass der jeweilige Aspekt des Workshops positiv wahrgenommen wurde.
Inhaltliche Evaluierung
Um die inhaltlichen Ergebnisse des Rollenspiels greifbar zu machen, haben wir uns im Vorfeld entschieden, eine räumliche Auswertung durchzuführen. Diese erfolgt durch das Verorten verschiedener Icons auf einem Lageplan, die mit symbolischen Piktogrammen beispielsweise für bauliche Maßnahmen, Klimaanpassungen oder Mobiliar stehen können. Diese Herangehensweise ist von Methoden inspiriert, die aus unserem Hintergrund als Landschaftsarchitekt:innen stammen. Es handelt sich dabei um sogenannte Mapping-Methoden, die häufig in partizipativen Verfahren eingesetzt werden. Dabei werden zeichnerische Elemente auf einem Lageplan verortet. Unsere Interpretation dieses Vorgehens sieht vor, dass die Teilnehmer:innen vor und nach der Diskussion verschiedene zur Verfügung stehende Icons auf dem Lageplan des hypothetisch geplanten Studierendenwohnheims verteilen. Die Icons wurden dabei in zwei separaten Durchgängen verteilt, zunächst vor der Diskussion zur Darstellung individueller Bedürfnisse in den jeweiligen Rollen sowie ein zweites Mal nach der Diskussion, um gemeinsam gefundene Kompromisse und Maßnahmen sichtbar zu machen. Die Icons sollen zunächst den Einstieg in die Rolle erleichtern und zum Verständnis der Bedürfnisse dieser dienen. Zudem unterstützt dieses Vorgehen die spätere Diskussion. Die Icons sind dabei nicht eindeutig definiert. Ein Baumstumpf kann beispielsweise als Feuerholz, Totholz oder Spielelement interpretiert werden. Zusätzlich stand leeres Papier für individuelle Zeichnungen weiterer Icons zur Verfügung.
Im Anschluss werden die Pläne miteinander verglichen: Der erste Plan, der vor der Diskussion erstellt wurde, dient dazu, die Bedürfnisse der verschiedenen teilnehmenden Rollen abzubilden. Der zweite Plan zeigt, welche Positionen verteidigt, als wichtig anerkannt oder doch wieder verworfen wurden. Die Auswertung der beiden Pläne soll im Anschluss die Frage beantworten, welchen Einfluss das multiperspektivische Rollenspiel auf die Meinungsbildung und die Planung genommen hat.
Methodische Auswertung

(Diagramm: Tamara Spielberger)
Die Struktur und Organisation wurden insgesamt mit überwiegend positiven Rückmeldungen bewertet. Am besten wurde dabei der zeitliche Rahmen evaluiert. Die Aufgabenstellung wurde größtenteils als verständlich wahrgenommen.
Die Moderation wurde insgesamt sehr positiv bewertet. Bezüglich der Steuerung der Diskussion zeigte sich die größte Streuung in der gesamten Evaluierung. Dennoch betrachtet die Mehrheit der Teilnehmer:innen die Moderation als wichtig für die inhaltliche Ausrichtung.
Die Atmosphäre im Workshop wurde nahezu durchweg positiv wahrgenommen. Ebenso zeigte sich, dass die Mehrheit der Teilnehmenden das Gefühl hatte, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten, einschließlich der mehr als menschlichen Rollen, gleichwertig berücksichtigt wurden.
Das bereitgestellte Material wurde durchweg positiv bewertet. Insbesondere das Rollenspielmaterial wurde als ansprechend und unterstützend empfunden. Die Mehrheit der Teilnehmenden stimmte der Aussage eher zu, dass die Informationen ausreichend waren, um sich gut in die jeweilige Rolle hineinversetzen zu können. Die Sprache des Materials wurde als verständlich und zielgruppengerecht wahrgenommen. Insgesamt zeigt die Auswertung, dass das Material gut aufbereitet war und die Teilnehmenden bei der Umsetzung des Rollenspiels wirksam unterstützt hat.
Inhaltliche Auswertung

(Foto: Raphael Handels, Grafik: Matthias Bochum)
Die hier gezeigten Vergleiche bilden die Ergebnisse des Rollenspiels ab. Vorher und Nachher beziehen sich auf die Gruppendiskussion in den jeweiligen Rollen. Der Vorher-Plan zeigt die räumlich verteilten Bedürfnisse der verschiedenen Rollen, während der Nachher-Plan die Ergebnisse und Kompromisse der Diskussion dokumentiert.
Für die inhaltliche Auswertung und Nachvollziehbarkeit der Diskussion wurden die verwendeten Icons im Nachgang kategorisiert und farblich kodiert. Daraus ist die obenstehende Grafik entstanden, welche die Kategorisierung der Icons visualisiert und zugleich ein inhaltliches Ergebnis der Diskussion darstellt, insbesondere im Hinblick auf deren Interpretation durch die Teilnehmer:innen.
Die Icons wurden in drei Kategorien eingeteilt:
(*“Maßnahmen“ stehen für bauliche Eingriffe, Klimaanpassungen oder Mobiliar)
Erkenntnisse zu den Maßnahmen mit Vorteile für menschliche und mehr-als-menschliche Natur: Im Vorher-Plan sind die entsprechenden Icons gleichmäßig verteilt, teils wurden sie auch am Rand platziert und noch nicht konkret verortet. In diesen Fällen wurde ein Bedürfnis zwar mit einem Icon benannt, konnte aber noch nicht sinnvoll räumlich zugeordnet werden. Im Nachher-Plan zeigt sich eine deutliche Zentrierung im Osten des geplanten Studierendenwohnheims, ein Hotspot ökologisch sinnvoller Maßnahmen mit gleichzeitigem ästhetischen oder beobachtbaren Nutzen für die menschlichen Teilnehmer:innen. Auffällig ist zudem, dass grüne Icons häufig als Pufferzonen zwischen anderen Kategorien eingesetzt wurden.
Erkenntnisse zu rein menschlich orientierten Maßnahmen: Im Vorher-Plan sind diese Icons gleichmäßig auf und um die Bebauung verteilt. Im Nachher-Plan hingegen erscheinen sie einerseits gebündelt, andererseits wurden einzelne Maßnahmen an den Rand verschoben. Dies verweist auf eine räumliche Kompromissfindung, Potenziell störende Maßnahmen für mehr-als-menschliche Akteur:innen wurden so bewusst abseits verortet.
Erkenntnisse zu mehr-als-menschlich orientierten Maßnahmen: Bereits im Vorher-Plan zeigt sich eine deutliche
Bündelung im Westen des Gebiets. Dieser Bereich wurde von einer der teilnehmenden Rollen als Rückzugsort genutzt
und konnte in der Diskussion erfolgreich verteidigt werden. Darüber hinaus konnte eine weitere Maßnahme südlich
des Wohnheims etabliert werden. Von diesen Maßnahmen profitierte direkt nur eine von sechs Rollen; für die
anderen stellten sie jedoch keine Einschränkung dar und blieben deshalb weitgehend unangetastet.
(Grafik: Matthias Bochum, Design erstellt mit Canva Free Content. Elemente © Canva.com)
Abschließende Reflexion
Durch die Erprobung unseres konzipierten Workshops und das Feedback der Teilnehmenden gibt es Punkte, die wir beim nächsten Mal anders handhaben würden.
Das sind zum einen die ersten Minuten des Workshops. Da wir uns im Rahmen der Vorbereitung intensiv mit dem Thema Mensch-Natur-Beziehungen beschäftigt hatten, waren wir gedanklich bereits tief in der Thematik. Deshalb fiel unsere Einführung eher knapp aus und wir stiegen vergleichsweise schnell in den Workshop ein. Rückblickend wäre nach einer wochenlangen Pause im Wahlfach eine ausführlichere Einleitung sinnvoll gewesen, um alle Teilnehmenden abzuholen und auf denselben Wissensstand zu bringen. Um einen gemeinsamen Bezugsrahmen zu schaffen, wäre es zudem hilfreich gewesen, zu Beginn noch einmal grundlegend zu erläutern, was unter Mensch-Natur-Beziehungen zu verstehen ist. Gleiches gilt für das Bauvorhaben: auch hier hätten wir eingangs mehr Kontext liefern können.
Zweitens wurde uns bewusst, wie wichtig die Raumgestaltung für die Gesprächsatmosphäre ist. Obwohl wir das Setup im Vorfeld besprochen hatten, hätten wir den Seminarraum vorab nochmal besichtigen sollen, um die Einrichtung gezielt zu planen und ausreichend Vorbereitungszeit einzuplanen. Zwar waren wir pünktlich, doch nur wenige von uns erschienen deutlich früher. Zeit, die gut gewesen wäre, um anzukommen und vor der „Performance“ noch einmal durchzuatmen.
Der dritte Aspekt betrifft die Auswahl der Rollenkarten. Unsere Priorität lag darauf, den mehr‑als‑menschlichen Rollen genügend Raum zu geben, doch in der Diskussion zeigte sich schnell, dass die Interessen der Studierenden unterrepräsentiert waren. Eine zweite Person mit ähnlicher Rolle oder vergleichbaren Interessen hätte hier für mehr Ausgewogenheit gesorgt. Zudem stärkt das Gefühl, nicht allein für eine Perspektive zu stehen, das Wohlbefinden innerhalb der Gruppe. Es könnte daher sinnvoll sein, bestimmte Rollen doppelt zu besetzen oder darauf zu achten, dass ähnliche Interessen mehrfach vertreten sind.Außerdem regten Teilnehmende an, Beziehungen zwischen den Charakteren anzudeuten: Welche Verbindung besteht etwa zwischen Gartenrotschwanz und Regenwurm und gibt es hier Konflikte (Stichwort Speiseplan)?
Schließlich ließe sich überlegen, zusätzlich eine Rolle mit ökonomischen Interessen einzuführen, um für mehr Diskussionsstoff zu sorgen. Allerdings hat es den Teilnehmenden im Nachhinein auch gefallen, dass sie sich keine Gedanken um die Finanzierbarkeit machen mussten. Die Auswahl geeigneter Charaktere bleibt stets eine Abwägung und muss an das Ziel des multiperspektivischen Rollenspiels angepasst werden.
Gedanken zum Seminar „Nachhaltige Mensch-Natur-Beziehungen“
Uns alle hat das Seminar geprägt und zum Denken angeregt:
Alles in allen war es ein tolles Projekt, das uns viel gelernt und uns neue Denkanstöße mitgegeben hat.
Autor:innen: Tamara Spielberger, Raphael Handels, Lisa Lönner, Magdalena Schmid, Matthias Bochum
Modulleitung: Prof. Dr. Martina Artmann
Dozent: Philip Harms
2025
Oktober
Wer plant mit? - Mensch-Natur-Stimmen im Rollenspiel
Erfahrungsbericht: Fokusgruppen-Workshop zur Förderung einer nachhaltigen Ernährung
Mai
März
2024
August
Februar
Januar
2023
Dezember
Oktober
Juni
Patagonien – ein Ort für resonante Beziehungen?
Mai
Demut vor der Unverfügbarkeit des Schlafes – Über Zyklen, Schlafrituale und Mutter Erde
Februar
2022
November
Der Natur unsere Stimme leihen – im Rollenspiel auf der Suche nach Partnerschaften mit der Natur
Oktober
Von Krise zu Resonanz: ein Sommerkino
September
Ein Bedürfnis nach
Selbstwirksamkeit in Zeiten der Ohnmacht.
Sorge um die Natur in der Stadt.
Juli
Die Unverfügbarkeit einer eigenen Stimme. Was will Amos wirklich "sagen"?
Juni
Mai
März
Responsive
Beziehungen:
Das Wunder der Verletzlichkeit
Januar
Liebende
Seelen – liebende Herzen
2021
Dezember
Christmas ‒ eating in the spirit of the feast of love?
Nurturing our relation with nature and ourselves in the dark season